Samstag, 4. Februar 2012

Anonyme Kritik vs outstanding persons vs „Szeneikonen“

Anonyme Kritik vs outstanding persons vs „Szeneikonen“

Nun muss ich mal über ein Thema schreiben, das mir in letzter Zeit doch häufiger übel aufgestoßen ist. Normalerweise halte ich bei sowas ja meine Klappe und halte mich da raus, aber diesmal hat es mich doch so sehr beschäftigt und auch verärgert, dass ich eben diese ausnahmsweise nicht halten kann:

Ich verfolge ja auch so den ein oder anderen Blog, die ein oder andere Facebook  Seite oder Homepage (um mich inspirieren zu lassen, aus purer Neugier und aus dem Vergnügen heraus, mir schöne Bilder anzuschauen, ich brauche einfach mein täglich „Eyecandy“).
Und da fällt mir auf:
Warum wird eigentlich immer gerade über die Menschen in der sogenannten „Szene“ hergezogen, die am meisten hervorstechen? Oder die die sich am meisten der visuellen Seite widmen?
Ist es Neid? Fremdschämen? Oder gibt es gar tiefergehende Gründe dafür?

Nur weil ein hübsches Mädel sich für das ein oder andere Magazin ablichten lässt, sich auffälliger kleidet als andere, heißt das doch nicht automatisch, dass sie einen IQ von minus 12 hat und ein ganz oberflächlicher und eingebildeter Mensch ist.

Diese Menschen fallen durch Äußerlichkeiten auf, ganz klar, aber dennoch zwingen sie niemandem ihre Maßstäbe auf. Es ist doch vielmehr der Betrachter, der sich nun bemüßigt fühlt, mitzuhalten (muss er/sie das?) und das Gefühl entsteht in ihm ganz allein ungenügend zu sein.
Da vielleicht nicht jeder Modelqualitäten hat, eine Superschneiderin ist oder wahnsinnig kreativ mit Perücken und Haarteilen umgehen kann, tolle Zeichnungen und Grafiken erstellen kann, singen oder ein Instrument beherrschen kann, ist es für viele vielleicht auch einfacher, dies als Szene NoGo abzustempeln, den Menschen absolute Oberflächlichkeit (und Ausverkauf der selbigen) zu unterstellen und bissige (hauptsächlich anonyme) Kommentare dazu abzugeben.

Wenn ein Mensch sich in historischer Garderobe, Lack und Latex oder auch mal in Jeans zeigt, sagt er damit doch nicht gleich, dass dies den absoluten Dresscode der Szene darstellt. Es ist ein „Kann“ kein „Muss“. Und wenn jemand mit szenespezifischen Dingen wie Musik, Kleidung oder ähnlichem sein Geld verdient, so macht er das doch mit Leidenschaft, weil er/sie Ideen hat und diese teilen möchte. Und weil wir nun mal Geld im Leben brauchen (jedenfalls ein sehr hoher Prozentsatz von uns, ich weiß ja nicht wie das bei euch aussieht?) freut man sich doch dann auch über den materiellen Erfolg im Beruf.

Nichts ist bissiger und sarkastischer als die Stimme aus dem Off, das kennen wir doch auch aus bestimmten Fernsehsendungen. Und wer sich in der Dunkelheit und Anonymität verstecken kann, der kann natürlich am stutenbissigsten und beleidigensten  werden.
Gegen Kritik ist nichts einzuwenden, solange diese ehrlich und ohne Hintergedanken wie z.B. Neid geäußert wird. Schön, ist es natürlich auch, zu sehen woher diese kommt und ob diese Person auch dann noch dahinter steht, was sie sagt.
Die ehrlichsten und offensten Kritiker sind auch häufig die besten Freunde, wer hätte das gedacht? Niemand umgibt sich gern mit Menschen, die zuckersüß lächeln und dir im richtigen Moment das Messer in den Rücken stoßen.
Kritik ist ja nicht per se schlecht, im Gegenteil,  hilft sie der selbstreflektierten Person doch, an sich zu arbeiten und ihr Schaffen zu perfektionieren.

Und wen es stört, weil er im Internet immer wieder auf Bilder einer bestimmten Person stößt und dies immer wieder zu Neidanfällen führt: Es gibt auch Programme mit denen man unerwünschte Inhalte ausfiltern kann, Ignore-Buttons und und und… Es wird also niemand gezwungen sich diese anzuschauen. Und wenn ihm (oder ihr) das Ganze doch noch Unbehagen verursachen sollte, dann hilft wohl nur noch offline gehen und mal wieder einen schönen Spaziergang zu machen (oder vielleicht selbst mal kreativ zu werden?).

Und wenn das alles nichts nützt und ihr trotzdem mal etwas loswerden wollt: wie wäre es zur Abwechslung mal nicht anonym und nicht als zuckersüßer Kommentar verpackt, der doch ganz anders gemeint ist (nämlich als sehr versteckter Seitenhieb).

Und wenn sich manche jetzt fragen, was das mit Gothic zu tun hat: Nichts, und das ist auch gut so, denn ich definiere mein Leben, meine Hobbies und Interessen nicht danach wie „goth“ diese sind, auch wenn ich Wave mag und jedes Jahr nach Leipzig „pilgere“.

Ändern kann ich als einzelne Person daran sicher nichts und ganz ehrlich, natürlich lästert jeder mal (ist allzu menschlich) aber doch hoffentlich so, dass das Objekt der Begierde davon nichts mitbekommt und sein Leben ungestört weiter führen kann. Aber muss man das immer so öffentlich machen?
Ich halte es jedenfalls so, meine Kritik sachlich anzubringen und sollte sie doch mal unter aller Kanone sein, für mich zu behalten (es gibt da so ein schönes Sprichwort: Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, sage lieber gar nichts).
Abgesehen davon finde ich es auch viel schöner, die guten Seiten zu betonen, positive Dinge zu verbreiten (auch wenn das nicht immer leicht fällt) und nehme mir Menschen zum Vorbild, die dies auch tun.

Mich interessiert es wirklich sehr, was ihr darüber denkt. Würde mich über Kommentare und Diskussion wirklich freuen. Vielleicht gibt es ja die ein oder andere Sichtweise dazu, die mir persönlich noch gar nicht bewusst war. Auch wenn das vielleicht „alles nichts bringt“, lade ich euch trotzdem dazu ein, gerne auch anonym wenn es unbedingt sein muss ;-)

Kommentare:

  1. Ich bin da ganz deiner Meinung. Aber das ganze liegt auch an der immer immenseren Nutzung von sozialen Netzwerken wie facebook etc... Auf Grund dessen habe ich mein privates fb Profil auch deaktiviert und nutze das öffentliche nur zum networking oder für Labelangelegenheiten. Ich finde diese anonymen Zickereien ziemlich schade und generell solche miesen Diskussionen übers Internet fehl am Platze.

    Du hast da ein sehr interessantes Thema angeschnitten! :)

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  2. Ich seh das auch so wie du. Manchmal bekomme ich auf deviantArt Kommentare von komplett leeren Accounts die sich anscheinend nur dafür angemeldet haben mal ne Runde zu meckern :D Einmal Kritik zu bekommen fällt einem ja immer viel mehr auf als zehn mal Lob (zumindest geht es mir so) aber solange es konstruktiv ist find ich Kritik super.
    Ich denke aber wenn man so erfolgreich ist wie diejenigen um die es geht und sowieso so viel Lob bekommt und seine Sache so erfolgreich macht stört einen das wahrscheinlich nicht allzu sehr wenn irgendwelche Kinder sich nicht trauen zu ihrer Meinung zu stehen. Find sowas zwar immer ne schwache Leistung aber man wird es wohl nicht ändern können...

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  3. Vielen Dank für eure Meinung dazu!
    Ich persönlich emfinde eine offene ehrliche Kritik auch noch immer als sehr bereichernd und störe mich auch nicht an den üblichen lästereien unter freunden (das macht jeder mal).
    La Esmeralda, die Leute die sich jedesmal neue DeviantArt Accounts zulegen um zu meckern, fallen auch in so eine Kategorie, dass man schon eher Mitleid mit ihnen hat, als sich drüber zu ärgern :-) da geben ich dir Recht!

    Ich hab dieses Thema mal angesprochen, weil es doch sehr viel interessanten Diskussionsstoff bietet, auch wenn sich an der Sache an sich nichts ändern wird. Jeder hat da eine ganz eigene Meinung zu und gerade die psychologischen (Gruppen-)Mechanismen die dahinterstecken, finde ich spannend zu ergründen.

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